Das politische Rom steht erneut im Bann eines Sex-Videos. Diesmal im Rotlicht-Scheinwerfer: Alessandra Mussolini, Enkelin des Duce.
Rom. Seit den Affären um «Papi» Silvio und die Callgirls in den Privatvillen des Premiers reissen die «scandali a luci rossi» nicht mehr ab. Nun geht es um Alessandra Mussolini, Enkelin von Benito Mussolini, Nichte von Sophia Loren und Abgeordnete der Berlusconi-Partei PDL. Von der 46-Jährigen soll es ein Video geben, das sie zusammen mit dem Führer der neofaschistischen Partei «Forza Nuova» und Europaabgeordneten Roberto Fiore beim Sex zeigt. Es soll durch Überwachungskameras am Sitz der «Forza Nuova» in Rom aufgenommen worden sein.
Zuerst bei Berlusconi
Beide dementieren entrüstet – doch ob sie sich zu einem Seitensprung haben hinreissen lassen oder nicht, ist ohnehin von mässiger Relevanz. Interessant ist eher, dass das Video nicht ihnen, sondern Regierungschef Berlusconi angeboten worden ist. Er habe gedacht, dem Premier könnte es etwas Geld wert sein, erklärte der inzwischen identifizierte Erpresser.
Die Ermittler glauben ihm nicht: Vielmehr dürfte es darum gegangen sein, Mussolini und Fiore zu diskreditieren.
Es ist nicht das erste Mal in den letzten Wochen, dass Berlusconi früher als alle anderen – auch als die Polizei – von der Existenz kompromittierender Videos erfährt. Auch im «Fall Piero Marrazzo» war es so gewesen: Der linke Präsident der Region Latium war bei seinen Besuchen in einem Transsexuellen-Bordell gefilmt worden; als die Sache aufflog, trat er zurück.
Danach stellte sich heraus, dass Berlusconi schon Monate zuvor über die Videos informiert gewesen war und – anders als im «Fall Mussolini» – die Polizei nicht verständigt hatte. Die Prostituierte, mit der Marrazzo gefilmt wurde, ist unterdessen unter mysteriösen Umständen zu Tode gekommen.
Voyeurismus und Abscheu
Die anhaltenden Berichte über das Privatleben von Politikern, die tatsächlichen oder angeblichen Sexskandale und Rotlicht-Videos rund
um das Parlaments- und Regierungsgebäude werden vom Publikum mit einer Mischung aus Voyeurismus und Abscheu verfolgt. Der «Corriere della Sera» kommentierte den neuesten Fall gestern mit einer Karikatur: Ein Mann schaut durch das Schlüsselloch eines Schlafzimmers; neben ihm steht seine Frau, die ungehalten fragt: «Wann hörst du endlich auf, Politik zu machen?»







